Start » Gemeinde » Pressemitteilungen

Feucht-fröhlicher Abschied von Bürgermeister Jörg Hetzinger

Nach 16 Jahren arbeitsintensivster Amtszeit von Bürgermeister Jörg Hetzinger ging diese am 31. Mai 2018 zu Ende, seit 1. Juni ist er im Ruhestand und trägt den Zusatz Bürgermeister „a.D.“, also „außer Dienst“. Offiziell Abschied genommen wurde am 7. Juni im Rahmen einer feierlichen Verabschiedung im Atrium der Atriumschule.

Schwüle und Gewitterstimmung – das war die Großwetterlage in diesen Tagen und so richteten sich am Morgen der Veranstaltung die Blicke der Verantwortlichen mit Unbehagen gen Himmel – gehen wir gleich in die Atriumhalle, also auf Nummer sicher, oder führen wir die Verabschiedung wie geplant open air durch? Man entschied sich für „no risk, no fun“ – zu deutsch ungefähr: „Ohne Risiko kein Spaß“ und damit für eine Durchführung unter freiem Himmel. Den ganzen Tag über und bis unmittelbar nach Beginn der Verabschiedungsfeierlichkeit hielt der sich denn auch ans Daumendrücken und dicht. Dann fing’s aber doch an zu tröpfeln, dann zu regnen und schließlich mussten (Ehren-)Gäste und Besucher_innen doch ihre Plätze im Atrium räumen und unters Zwischendach und in die Schulflure flüchten bzw. ihre Schirme zücken. Das ist auch der alleinige Grund für das „feucht“ in der Überschrift zu diesem Bericht. Doch alle zeigten sich flexibel und wetterfest – von den Wittumschülerinnen und -schülern bis zum Landrat. So wurde es fröhlich trotz des unerwünschten Nasses von oben und des Donnergrollens aus dem nahen Osten, von dem sich aber kein Akteur und keine Akteurin beeinträchtigen ließ. Insbesondere Ursula Jud, Gemeinderätin und erste Stellvertretende Bürgermeisterin, die sich mehr als maßgeblich in die Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung im Vorfeld eingebracht hatte und durch den Abend führte, nahm das Wetter mit Humor. Zwischen den beiden Bildern von der Amtseinsetzung im Jahre 2002 und der letzten Amtshandlung im Mai 2018, der Übergabe des neuen Fahrzeugs an die Feuerwehr, lägen 16 Jahre aktives und engagiertes Schaffen von Herrn Hetzinger „für eine positive Weiterentwicklung unseres Ortes, zum Wohle der Bürgerschaft“. Seine Leistungsbilanz könne sich sehen lassen und sei für die Bürgerinnen und Bürger sicht- und erlebbar, allen voran die inzwischen schon gar nicht mehr so neue „Urbacher Mitte I“, mit der „beste Schachzug für unseren Ort“,wie Frau Jud unter Beifall meinte.

Ursula Jud bei ihrer Ansprache, im Vordergrund zwei Fotografien, die Bürgermeister a.D. Jörg Hetzinger bei seiner Verpflichtung am 6. Juni 2002 und 16 Jahre später bei der Übergabe des neuen Feuerwehrfahrzeugs am 17. Mai 2018 zeigen.

Großen Anteil habe Herr Hetzinger auch daran, dass Urbach eine kinder- und familienfreundliche Gemeinde sei. Auch schulpolitisch seien in der Amtszeit Hetzingers wichtige Weichenstellungen vorgenommen worden, man denke nur an die Wittumschule, mit der konsequent und erfolgreich der Weg der Umstellung von der Grund-, Haupt- und Werkrealschule erst zur Ganztagsschule mit Mensa und schließlich zur Gemeinschaftsschule beschritten wurde. Eben aus dieser Wittumschule bedankten sich Kinder in Form eines sehr gelungenen Auftritts. Wer kann schon später einmal seinen Enkelkindern erzählen, dass bei seiner Verabschiedung die Queen, Barack Obama, Angela Merkel, Heidi Klum, Helene Fischer und Jogi Löw aufgetreten sind – Jörg Hetzinger kann es! Wunderbar, klasse, was die Schüler_innen da für schauspielerisches und komödiantisches Talent unter Beweis stellten und dafür herzliches Lachen und Applaus der Gäste und Besucher_innen und vor allem auch des frischgebackenen Bürgermeisters a.D. ernteten. Der wird den Kindern dafür auch noch ein Eis spendieren, hat er spontan versprochen.

Der freche Auftritt der Wittumschüler_innen (rechts die „Raute“ zeigt, wer gerade gemimt wird)…
… sorgte für große Heiterkeit unter den Gästen, im Vordergrund Landrat Dr. Richard Sigel und Bürgermeister a.D. Jörg Hetzinger.

Mit einem Fotobuch über 16 Jahre Wirken in Urbach und einer Weinrebe wurde Herr Hetzinger anschließend beschenkt, Ehefrau Karin Hetzinger mit einem Blumenstrauß herzlich für die Unterstützung gedankt. Auch Landrat Dr. Richard Sigel („Wir hatten beide denselben Vorgänger: Johannes Fuchs“) lobte den unermüdlichen Einsatz von Bürgermeister Hetzinger als „Lenker und Stratege an der Spitze der Gemeinde Urbach“. Er habe Ziele für die Gemeinde definiert und verfolgt, und Urbach habe sich in diesen fast zwei Jahrzehnten sehr gut entwickelt. Er hinterlasse seiner Nachfolgerin ein gut bestelltes Feld.Dass Herr Hetzinger seinen Schreibtisch im Rathaus nach 16 Jahren freiwillig für jemand anderen räumen würde, „das war eine echte Überraschung“, so Landrat Dr. Sigel, auch für ihn. Herr Hetzinger habe mit seiner Ankündigung im Dezember 2017 dafür gesorgt, dass so manche und mancher im Gemeinderat sprachlos gewesen sei. „Allerdings hatte ich ganz persönlich angesichts der Diskussionen rund um das Waldhaus manchmal den Eindruck: „Bürgermeister Hetzinger fühlt sich gehetzt“, so Landrat Dr. Sigel. „Und gehetzt zu werden, das mögen Ausdauersportler grundsätzlich nicht, erst recht nicht, wenn man es eigentlich nur gut und recht machen möchte“. Sein Gefühl habe Herrn Hetzinger gesagt, dass es der richtige Zeitpunkt ist zum Aufhören, und das könne er auch mit allerbestem Gewissen tun. Er habe vieles weitergeführt, Beachtliches vollbracht, mit langem Atem, Zielstrebigkeit und Sachverstand viele dicke Bretter gebohrt. Beim Blick zurück dürfe er stolz sein, Urbach trage auch seine Handschrift, und was sich in seiner Amtszeit entwickelt habe, werde Bestand haben, so der Landrat.

Landrat Dr. Richard Sigel.
Bürgermeister Karl Bühler.

Für die Bürgermeisterkollegen sprach stellvertretend der Lorcher Schultes Karl Bühler, der einerseits augenzwinkernd, andererseits aber auch mit einem ernst-kritischen Unterton aufzählte, was laut einem 90 Jahre alten Text Bürger schon damals an allumfassender Erwartungshaltung so alles auf ihren Bürgermeister projizierten – und das gelte bis heute. Kollege Hetzinger habe sich in den Bürgermeister-Runden als geschätzter Fachmann mit ausgeprägter Liebe zum Detail, immer gut vorbereitet, glaubwürdig, offen und zu objektivem Urteil fähig erwiesen, er sei selbstkritisch, gerade heraus, zuverlässig, bodenständig und uneitel – Eigenschaften eines schwäbischen Schultes eben, dazuhin mit verstecktem Humor - den habe er nämlich auch. Zur Melodie des Uralt-Schlagers „17 Jahr, blondes Haar“ sang anschließend ein gemischter Chor aus Gemeinderatsmitgliedern und Gemeindebeschäftigten Bürgermeister a.D. Hetzinger ein Ständle, allerdings mit dem an den Anlass angepassten Text „16 Jahr – warst du da, es ist viel gescheh’n“.

Der eigens zur Verabschiedung gegründete Gemeinderats- und -mitarbeiter_innen-Chor.

Personalratsvorsitzender Roland Hieber sprach an, am Tag nach der Bekanntgabe von Herrn Hetzinger, nicht mehr zur Bürgermeisterwahl antreten zu wollen, hätten die meisten Mitarbeiter_innen im Rathaus „schon sehr überrascht in die Runde geschaut.“ „Für uns war eigentlich klar, bei der Remstalgartenschau im kommenden Jahr ist der Chef Hetzinger noch dabei“. Nun sei es anders gekommen, doch nach seinem Rückzug aus der Kommunalpolitilk habe er das Lachen wieder hervorgeholt und das möge Herr Hetzinger auch beibehalten: „Es tut Ihnen gut!“ So Herr Hieber, der anschließend auf das unter Herrn Hetzinger in der Personalratsarbeit Erreichte einging, z.B. den Beitritt der Gemeinde Urbach zum Kommunalen Arbeitgeberverband und die damit einhergehende Tarifbindung, oder auch die getroffenen Dienstvereinbarungen. Auch so manche Anekdote in der persönlichen Begegnung und in der beruflichen Zusammenarbeit im Laufe von 16 Jahren gab der Personalratsvorsitzende zum besten. Und machte so manche bis dahin nur rathausintern bekannte Eigenart des Schultes Hetzinger öffentlich, z.B. seine für das Rathausteam häufig völlig unleserliche Handschrift. In Anspielung auf den geplanten Aufenthalt Herrn Hetzingers auf einem Almbauernhof wurde ihm ein Melkschemel geschenkt, den er auch gleich beim Melken eines „Kuhhunds“ testen durfte.

Herr Hetzinger am „Kuhhund“ beim Übungsmelken.
1.000 km angereist, um bei der Verabschiedung dabei zu sein: Bürgermeister Peter Koltai überbrachte die Grüße aus der ungarischen Partnerstadt Szentlörinc.

Noch einmal Ursula Jud bescheinigte Herrn Hetzinger als „Gedanken der Ratsmitglieder“, er habe immer den Ehrgeiz und den Anspruch gehabt, sich in die verschiedenen Sachthemen akribisch und bis in die Tiefe einzuarbeiten. „Deshalb hatten wir immer das Gefühl, gut und umfassend informiert zu werden; es war uns bewusst, einen Schultes zu haben mit viel Sach- und Fachkenntnis, der das Zahlenwerk eines Haushaltes beherrschte, der Daten und Fakten, Zusammenhänge, Abläufe, auf Knopfdruck abrufen konnte - das war oft beeindruckend.“ Dann noch eine besondere Zahl: „Das Investitionsvolumen in den Jahren 2002 bis 2018 belief sich auf 86.861.565,93 € - für die Größe unserer Gemeinde mit exakt 8.934 Einwohnern eine sicher sehr bemerkenswerte Summe!“, so Frau Jud. Und in einem Punkt habe sich der Gemeinderat auch immer sehr sicher sein können: Durch sein zuweilen hartnäckiges Hinterfragen bei schwierigen Verhandlungen sei das erzielte Ergebnis ganz sicher nie zum Nachteil für Urbach gewesen.
Jetzt sei es vorbei mit der Terminflut und dem Kampf gegen die Uhr, jetzt sei Herr Hetzinger der Herr über seine Zeit, habe Zeit zum Laufen, Rad und Motorradfahren oder um auf einen Berggipfel zu steigen. Für alles das, was kommt, wünschte Frau Jud Herrn Hetzinger eine gute Gesundheit, „und ich sage Ihnen zum Schluss im Namen des gesamten Gemeinderates, der Rathausmann- und -frauschaft und der Urbacher Bevölkerung danke für das gute, faire und respektvolle Miteinander, danke für 16 Jahre engagiertes Wirken als Schultes hier in Urbach.“
Sodann wurde Herr Hetzinger mit einem Bollerwagen überrascht, dem Geschenk des Gemeinderats, das, so Frau Jud, „für den Transport einer Enkelschar gedacht ist.“ Er war vollgepackt mit „Päckle“ die von Urbacher Schulen, Kirchen, Vereinen, der Feuerwehr und anderen als Abschiedsgeschenk gepackt worden waren.

Noch ein letztes Mal am Mikrofon.

Das Schlusswort hatte schließlich Bürgermeister a.D. Jörg Hetzinger, der bescheiden Bilanz zog, allen dankte, insbesondere seiner Frau Karin, und der angesichts des anhaltenden Applauses fast schüchtern abwinkte. Jörg Hetzinger, der aber auch von Höhen und Tiefen sprach und für Fehler, die auch er gemacht habe, um Entschuldigung bat. Und der dennoch zufrieden zurückblickte, denn es sei gemeinsam viel erreicht worden. Sein Credo am Ende seiner Amtszeit, verbunden mit den besten Wünschen an alle: „Das Gemeinwohl muss immer im Vordergrund stehen!“ Für den passenden Sound während der feierlichen Verabschiedung sorgten die Musiker und die Sängerin der schwäbischen Folk-Rock-Band „Wendrsonn“ mit Geiger Klaus Marquardt, einem ehemaligen Urbacher. Herr Hetzinger hatte sich früher einmal in kleiner Runde als Fan der Band geoutet gehabt. Ein ganz herzlicher Dank gilt allen an der Organisation, Vorbereitung und Durchführung der Verabschiedungsfeierlichkeit Beteiligten und Helfer_innen einschließlich den Urbacher Landfrauen für die Bewirtung.

  |    | 
NACH OBEN