100 Tage Bürgermeister Marcel Schindler – „Lust auf mehr“

Seit dem 1. Juni ist Marcel Schindler Bürgermeister der Gemeinde Urbach. Nach den ersten 100 Tagen zieht er eine positive Zwischenbilanz – und hat bereits zahlreiche Themen angestoßen.

Am 8. März wurde Marcel Schindler mit mehr als 75 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister von Urbach gewählt. Seit dem 1. Juni steht der 31-Jährige an der Spitze der Gemeindeverwaltung. Die ersten 100 Tage im Amt sind nun vorbei – Zeit für eine erste Zwischenbilanz.
„Es fühlt sich einerseits so an, als wäre ich schon ewig hier“, sagt Schindler. Er fühle sich in Urbach und insbesondere im Verwaltungsteam sehr wohl. Die vergangenen Wochen seien geprägt gewesen von zahlreichen Gesprächen, Terminen und dem Kennenlernen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Einrichtungen, Vereine und vieler Menschen im Ort. Gerade die Sommerferien boten dafür trotz weniger Gemeinderatssitzungen eine gute Gelegenheit.
„Mir ist wichtig, alle Kolleginnen und Kollegen persönlich kennenzulernen und auch die Einrichtungen und Außenstellen zu besuchen“, betont Schindler. Sein Verständnis von Verwaltung sei dabei von einem guten Miteinander geprägt: Alle sollen gesehen, eingebunden und mitgenommen werden.

BM Marcel Schindler bei seiner offiziellen Amtseinsetzung am 9. Juni in der Auerbachhalle

Hochwasserschutz wird konkret
Eines der wichtigsten Themen auf der politischen Agenda ist der Hochwasserschutz. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt nahm Schindler Gespräche mit dem Landratsamt und den beteiligten Planern auf. In einer Klausurtagung beschäftigte sich der Gemeinderat ausführlich mit den fünf bisher erarbeiteten Varianten.
Inzwischen zeichnet sich eine gemeinsame Richtung ab. Im Herbst soll das Thema öffentlich im Gemeinderat beraten werden. Ziel ist es, diejenige Maßnahme auf den Weg zu bringen, die für Urbach den größtmöglichen Schutz bietet und gleichzeitig unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten am sinnvollsten ist.
Auch die Bevölkerung soll frühzeitig und umfassend eingebunden werden. Bei einer öffentlichen Begehung am 24. Oktober soll der mögliche Verlauf des künftigen Rückhaltebeckens mit Holzpflöcken im Gelände sichtbar gemacht werden. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich dabei vor Ort ein Bild machen und Fragen stellen.
Schindler ist wichtig, dass der lange Weg bis zur tatsächlichen Umsetzung transparent begleitet wird. Denn auch nach einem politischen Beschluss wird die Realisierung eines solchen Projekts noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
Parallel dazu wird der Hochwasserschutz an bestehenden Problemstellen verbessert. In der Bachstraße werden aus laufenden Haushaltsmitteln drei zusätzliche Einläufe geschaffen beziehungsweise bestehende Einläufe vergrößert. Damit soll der Schutz der Anlieger verbessert werden.

Nicht nur der Bürgermeister, sondern auch vielen andere Interessierte informierten sich am Hochwasser- und Katastrophenschutztag im Juni auf dem Marktplatz

Retentionsfläche Mitte I: erste Verbesserungen auf den Weg gebracht
Auch bei der Retentionsfläche Mitte I wurde frühzeitig gehandelt. Bereits in seiner zweiten Amtswoche führte Schindler Gespräche mit dem Landratsamt und den Planern, um mögliche Verbesserungen abzustimmen. Dabei geht es unter anderem um eine Erhöhung des Freibords und eine Anpassung des Höhenverlaufs.
Die nächsten Schritte sollen nun folgen: Im Herbst ist die Einholung von Angeboten vorgesehen, anschließend soll die Umsetzung erfolgen.

Alexanderstift: gute Perspektiven, aber noch Geduld gefragt
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Zukunft des Alexanderstifts. Bei der Nachnutzung gibt es inzwischen konkrete Gespräche. Die Wohnungseigentümergemeinschaft hat einer entsprechenden Lösung mit großer Mehrheit zugestimmt. Nun laufen die Abstimmungen mit den zuständigen Stellen.
Auch für die Tagespflege gibt es interessierte Anbieter. Die Gespräche verlaufen positiv, allerdings erschwert die aktuelle Entwicklung im Pflegebereich eine wirtschaftlich tragfähige Kalkulation. „Das ist etwas, was mir wirklich im Magen liegt“, so Schindler im Gespräch mit der Zeitung. Die Tagespflege sei für Urbach ein wichtiges Angebot, weshalb die Gemeinde weiter intensiv nach einer Lösung suche.
Im Herbst ist zudem ein Tag der offenen Baustelle geplant, bei dem die verschiedenen Konzepte vorgestellt werden sollen.

Infrastruktur und Finanzen im Blick
Eine Herausforderung, die sich in den vergangenen Monaten besonders deutlich gezeigt hat, ist der Zustand der Wasserinfrastruktur. Bis Mitte August waren in Urbach bereits rund 20 Wasserrohrbrüche zu verzeichnen. Dank des technischen Überwachungssystems können Schäden zwar schnell erkannt und repariert werden – langfristig müsse man das Thema jedoch strukturell angehen, so Schindler.
Auch die finanzielle Situation der Gemeinde hat sich im Laufe des Jahres verändert. Die Gewerbesteuereinnahmen sind deutlich zurückgegangen. Schindler sieht Urbach aufgrund des guten Branchenmixes dennoch vergleichsweise robust aufgestellt. Diesen Branchenmix gelte es zu erhalten und den Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln. Auch das geplante Wärmenetz für das Urbacher Industriegebiet könne dazu beitragen, die Energiekosten für die Unternehmen langfristig in einem guten Rahmen zu halten.
Erneuerbare Energien, Digitalisierung und interkommunale Zusammenarbeit
Weitere Themen wurden in den ersten 100 Tagen ebenfalls angeschoben. Für die Photovoltaikanlagen auf dem Bauhof beziehungsweise bei der Flüchtlingsunterbringung und im Freibad werden derzeit Lösungen gesucht, die langfristig Kosten einsparen und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien voranbringen.
Auch die Digitalisierung der Verwaltung soll weiter vorankommen. Ein digitaler Schadensmelder soll im Oktober zunächst in einer Testphase an den Start gehen. Bürgerinnen und Bürger sollen damit künftig Schäden und Mängel unkompliziert melden können.
Darüber hinaus soll die interkommunale Zusammenarbeit weiter gestärkt werden. Auch im Bereich Feuerwehr wurden Gespräche geführt, Gerätehäuser besichtigt und der Raumbedarf erörtert. Für die dringend benötigten Interimsgaragen soll eine schnelle Lösung gefunden werden.

Jugendliche und gesellschaftliches Miteinander
Neben den großen Infrastrukturprojekten stehen auch die sogenannten „weichen“ Themen auf der Agenda. Die Jugendbeteiligung soll weiter ausgebaut werden. Bereits am 11. September sind Jugendliche eingeladen, bei einem gemeinsamen Eisessen Ideen für die Zukunft Urbachs zu entwickeln.
Im Herbst soll außerdem eine Gruppe zum Thema „Mittagessen für alle – gegen Einsamkeit“ starten. Damit soll ein Angebot geschaffen werden, das Menschen zusammenbringt und gleichzeitig einen Beitrag gegen Einsamkeit leistet. Auch die ersten Überlegungen für das 850-jährige Gemeindejubiläum im Jahr 2031 laufen bereits.
Gutes Miteinander als Grundlage
Besonders positiv bewertet Schindler die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat, der Verwaltung, den Vereinen und der Bevölkerung. Nach den ersten beiden Gemeinderatssitzungen und einer Klausurtagung habe sich ein sachliches und vertrauensvolles Miteinander entwickelt.
Dabei müsse es nicht bei jeder Entscheidung Einstimmigkeit geben. Entscheidend sei vielmehr, dass bei den großen und für Urbach wichtigen Themen gemeinsam nach vorne geschaut werde. „Bei den großen Dingen ist es mir wichtig, dass wir alle an einem Strang ziehen“, sagt Schindler.

Marcel Schindler und der Gemeinderat bei der Klausurtagung in der Atriumhalle

Auch persönlich ist der neue Bürgermeister in Urbach angekommen. Bei zahlreichen Terminen und Veranstaltungen war er gemeinsam mit seiner Familie unterwegs. Besonders freut ihn der direkte Kontakt mit den Menschen im Ort. Bei Jubilarbesuchen begegnet ihm dabei manchmal sogar die eigene Familiengeschichte – eine Verbindung zu Urbach, die für ihn etwas Besonderes ist.
Nach 100 Tagen fällt seine persönliche Bilanz deshalb eindeutig aus. Auf die Frage, wie er die ersten 100 Tage in drei Worten beschreiben würde, antwortete Marcel Schindler: „Lust auf mehr!“

(Erstellt am 08. September 2026)