Energiemanagement in Urbach
Seit Anfang Juni ist Marc Süss als Energiemanager der Gemeinde Urbach im Einsatz. Die neu geschaffene Vollzeitstelle wird über drei Jahre hinweg durch Fördermittel des Bundes im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz finanziert. Mit dem Zuwendungsbescheid vom 12. Februar 2025 (Förderkennzeichen 67K24437) konnte das Projekt mit dem Titel „Implementierung und dauerhafter Betrieb eines Energiemanagementsystems (EMS) für die Gemeinde Urbach“ nun offiziell starten. Die Laufzeit beträgt drei Jahre (01.06.2025 - 31.05.2028).
Im Mittelpunkt steht die Einführung eines kommunalen Energiemanagementsystems, das dabei helfen soll, Energieverbräuche systematisch zu erfassen, Einsparpotenziale zu identifizieren und den Energieeinsatz in den gemeindeeigenen Liegenschaften effizienter zu gestalten. Neben der Finanzierung der Stelle ermöglicht die Förderung auch die Anschaffung moderner Messtechnik, Sensorik sowie spezieller Software zur Energieauswertung.
Energiemanagement beinhaltet u.a. die Bereiche der monatlichen Erfassung und Überwachung des Heizenergie-, Strom- und Wasserverbrauchs, die Beratung des Betriebspersonals in Fragen der Betriebsführung, die Sensibilisierung der Gebäudenutzer, die Optimierung von Regelungseinstellungen und die Gebäudeanalyse zur Planung von Einspar- und Sanierungsmaßnahmen. Diese Aktivitäten führen zu einer Energieverbrauchssenkung verbunden mit einer deutlichen Umweltentlastung und natürlich zu einer Kostenreduzierung.
Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative initiiert und fördert die Bundesregierung seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: Von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen.
Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zu einer Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von Ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen oder Bildungseinrichtungen.
Hier finden Sie weitere Informationen zur Nationalen Klimaschutzinitiative:
Nationale Klimaschutzinitiative
Kommunale Wärmeplanung
Der Urbacher Gemeinderat hat bereits am 25. Oktober 2022 beschlossen, freiwillig in die kommunale Wärmeplanung (KWP) einzusteigen und hat das Büro RES aus Geislingen an der Steige beauftragt.
Am Montag, 1. Juli 2024, fand in der Auerbachhalle eine öffentliche Infoveranstaltung zur kommunalen Wärmeplanung in Urbach statt. Teilgenommen haben mehr als 20 Personen.
Die kommunale Wärmeplanung ist ein strategisches Planungsinstrument. Sie zeigt Möglichkeiten und Handlungsempfehlungen auf und gibt damit eine Orientierung für die Umsetzung einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Jede Kommune entwickelt im kommunalen Wärmeplan ihren Weg zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung, der die jeweilige Situation vor Ort bestmöglich berücksichtigt. Ein solcher Plan ist immer in Prozesse eingebettet: Er dient als strategische Grundlage, um konkrete Entwicklungswege zu finden und die Kommune in puncto Wärmeversorgung zukunftsfähig zu machen. Dabei wird er auch zu einem wichtigen Werkzeug für eine nachhaltige Stadtentwicklung.
Bürgermeisterin Martina Fehrlen stellt in Ihrer Begrüßung fest, dass „wir in Urbach mit knapp 40 % überdurchschnittlich viele Einfamilienhäuser haben. Zum Vergleich: im Rems-Murr-Kreis liegt dieser Wert bei 26 %. Je länger das Wärmenetze, umso teuer sind der Tiefbau und der Betrieb.“ Deswegen würde es sie nicht verwundern, dass man in Urbach außerhalb des Industriegebietes nicht auf nennenswerte Werte kommt, die ein Wärmenetz rechtfertigen, das eine Chance auf Amortisation hat. Man müsse immer auch die Kosten-Nutzen Relation im Blick behalten, insbesondere wenn es sich um individuelle Abwägungsentscheidungen handelt.
Im Anschluss Herr Matthias Weihermann vom Ingenieurbüro RES erläuterte den aktuellen Arbeitsstand der kommunalen Wärmeplanung und beantwortete Fragen aus dem Publikum. Dabei wurden insbesondere die Themen Photovoltaik, Wärmepumpen und die Dämmung der Gebäude angesprochen.
Ziel der kommunalen Wärmeplanung ist es, einen eigens für die Gemeinde Urbach einwickelten Wärmeplan unter Einbindung aller für die Wärmewende wichtige Akteure zu erarbeiten. Dieser Wärmeplan beschreibt die Entwicklung eines Transformationspfads bis zur klimaneutralen Wärmeversorgung in 2040. Der Wärmeplan zeigt darüber hinaus in einer öffentlich zugänglichen Karte die potenziellen Versorgungsoptionen für alle Gebäude in Urbach. Zusätzlich werden konkrete Maßnahmen festgelegt, welche geeignet sind, um Urbach zukünftig treibhausgasneutral mit Wärme zu versorgen.
Die kommunalen Wärmeplanung ist ein langfristiger Prozess, der mit der Erstellung des Wärmeplans beginnt und einen Diskurs in der Gemeinde anstoßen muss. Das Ziel einer klimaneutralen Gemeinde lässt sich nur gemeinsam erreichen. Da sich der Umbau über viele Jahre erstrecken wird, sind planvolles, koordiniertes Vorgehen und regelmäßige Aktualisierungen im Rahmen von Fortschreibungen unverzichtbar. Mit dem Vorliegen der ersten kommunalen Wärmeplanung wird u.a. klar sein, wo in Urbach Wärmenetze eine gute Option sind, wo sich sinnvoll Blöcke mit gemeinsamer Versorgung bilden lassen, wo Häuser eine individuelle Wärmeversorgung benötigen, welche erneuerbaren Energien lokal Potenziale bieten. Die KWP soll damit auch Planungssicherheit für alle beteiligten Wärmenutzenden und Wärmeanbietenden schaffen.
Bei zukünftigen Veranstaltungen sollen die Bürger/-innen Schritt für Schritt darüber informiert werden, wie sie sich selbst mit dem eigenen Gebäude an der kommunalen Wärmeplanung beteiligen können. Gemeinsam mit dem Gewerbeverein und LONA e.V. hat die Gemeinde Urbach eine neue Veranstaltungsreihe entwickelt „Nachhaltiges Urbach - Zukunft lokal gestalten“. Die ersten beiden Vorträge werden gemeinsam mit der Energieagentur Rems-Murr organisiert:
am Donnerstag, 19. September 2024 um 18:30 Uhr Vortrag in der Auerbachhalle zum Thema „Zapf die Sonne an: Solarstrom selbst produzieren“ am Donnerstag, 14. November 2024 um 18:30 Uhr Vortrag zum Thema „Haussanierung mit Köpfchen“
Die Präsentation über die Potenzialanalyse der Wärmeplanung vom Ingenieurbüros RES kann auf unserer Homepage eingesehen werden und wird zu einem späteren Zeitpunkt durch den Abschlussbericht zur Wärmeplanung ersetzt.
CO2-Bilanz Urbach: Bilanzjahr 2016

Energie- und CO2-Bilanzen sind ein wichtiger Baustein eines detaillierten Klimaschutz-Monitorings. Das Ziel einer kommunalen Energie- und CO2-Bilanz lautet, den
Energieverbrauch und die Emissionen an klimarelevanten Treibhausgasen in einer
Kommune darzustellen und im Idealfall deren Verursacher (Verbrauchssektoren) und
die verschiedenen Energieformen (Energieträger) aufzuzeigen.
Die Methodik der CO2-Bilanzierung mit dem Monitoring-Tool BICO2 BW des IFEU-Instituts in Heidelberg beruht auf dem endenergiebasierten Territorialprinzip, das den
Energieverbrauch und die damit verbundenen Emissionen in einem kommunalen
Gebiet ermittelt. Bilanziert werden die Treibhausgas-Emissionen (THG-Emissionen)
aus dem Energieverbrauch aufgeteilt nach einzelnen Sektoren: Private Haushalte,
Gewerbe, Handel und Dienstleistung, Industrie, Verkehr.
LED-Straßenbeleuchtung
LED-Straßenleuchten sparen erheblich Energie: Die neue LED-Technologie benötigt rund 80 Prozent weniger Strom im Vergleich zu älteren Leuchten. Sie bieten zudem eine bessere Lichtqualität bei geringeren Wartungskosten, da sie langlebiger sind und weniger häufig ausgetauscht werden müssen. Durch die gezielte Ausleuchtung von Gehwegen und Straßen kann die Verkehrssicherheit verbessert werden, und die Dimmmöglichkeiten tragen zur weiteren Effizienz bei. Kurzum, LED-Straßenleuchten verbinden Energie- und Kosteneinsparung mit Nachhaltigkeit und verbesserter Beleuchtungsleistung. Bis 2026 wurden schon über die Hälfte der Straßenlaternen in Urbach auf LED-Technologie umgerüstet. Bis Ende 2026 soll der Ausbaustand 80% betragen und bis Ende 2027 der komplette Technologiewechsel vollzogen sein.
Ein volles Jahr Photovoltaik auf dem Rathaus
Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Urbacher Rathauses ist seit Ende 2024 in Betrieb. Seither trägt sie maßgeblich zur nachhaltigen Energieversorgung des Gebäudes bei und deckt einen erheblichen Anteil des Strombedarfs vor Ort.
Neben dem regulären Stromverbrauch im Rathaus wird über die Anlage auch eine Wallbox versorgt. An diesem Ladepunkt werden sowohl das Fahrzeug des Gemeindevollzugsdienstes als auch das Carsharing-Fahrzeug von stadtmobil Stuttgart täglich geladen, das seit 2019 auch als Dienstfahrzeug der Gemeindeverwaltung und der Bürgermeisterin dient.
Im Jahr 2025 konnten 39 Prozent des gesamten Stromverbrauchs im Rathaus durch den selbst erzeugten Solarstrom gedeckt werden. Besonders erfreulich ist die hohe Eigenverbrauchsquote von 82 Prozent: Der überwiegende Teil des produzierten Stroms wird direkt vor Ort genutzt.
Allein mit der am Ladepunkt getankten Sonnenenergie konnten die beiden Fahrzeuge im vergangenen Jahr über 2.500 Kilometer zurücklegen (Herstellerangabe nach WLTP).
Die Photovoltaikanlage auf dem Rathausdach erweist sich damit sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht als voller Erfolg.

